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TU Berlin

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Leon Hempel / Thomas Markwart

SE Inklusion und Exklusion als Modell von Geschichte und städtischer Ordnung


Modul 3: Öffentlicher Raum und Stadtkultur

Di 14-16 Uhr • TEL 304 • Beginn: 22.04.2008

‚Inklusion‘ und ‚Exklusion‘ stellen Kategorien eines Beschreibungsmodells sozialer Dynamik dar. Sie wurden von Niklas Luhmann als grundsätzlich neuzeitliches Phänomen von Gesellschaft bestimmt. Das heißt nicht, dass es in der Antike keine Ausgeschlossenen gegeben hätte. Doch sind die 'Barbaren' nicht Teil der antiken Gesellschaft. Jenseits der Grenzen der 'menschlichen Welt' besitzen sie als Abstraktum symbolische Bedeutung, indem die Abwesenden immer wieder der Selbstversicherung dienen und an ihnen Kultur und Zivilisation begründet werden.

Demgegenüber sind die neuzeitlichen Außenseiter, die Exkludierten und Anormalen, Teil der Gesellschaft. Im Zeichen christlicher Moral wird ihnen, den Armen, Kranken, Juden, Bettlern, Wahnsinnigen, ein Ort zugewiesen. Durch ein komplexes System von Regeln, Privilegien, Gesetzen und Architekturen sind sie in den sozialen Zusammenhang als Ausgeschlossene eingebunden. Sowohl die Geste des Aus- und Einweisens wie auch die definitorische Begriffsarbeit gehen dabei dem Ausschluss der ‚Randgruppen‘ (Soziologie) in ‚Einschlussmilieus‘ (Foucault) voraus. Zugleich wird die Inklusion zum ideologischen Postulat, sei es im aufklärerischen Sinne als egalitäre, sei es im kommunistischen Sinne als klassenlose oder im nationalen und rassistischen Sinn als völkische Gemeinschaft. Denn die latente Sprengkraft dieser sozialen Gruppen bedroht das gesellschaftliche Gleichgewicht, wie beispielhaft die englischen Landlosen und Vagabunden im 17. und 18. und die Arbeiter im 19. und 20. Jahrhundert demonstrieren. Diese soziale Spannung erzeugt sowohl historische Perspektiven wie Heilslehren, Utopien, Untergangsvisionen und nicht zuletzt den soziologischen Blick als Kategorisierungsinstrument, um die unbestimmbaren anonymen Massen zu bewältigen. Postuliert wird die Restauration des sozialen Gleichgewicht oder, radikalisiert, die totale Inklusion einer geschlossenen Welt.

So vollzieht sich am Thema Inklusion und Exklusion Moderne. Dabei bildet die Stadt in ihrer jeweiligen historischen Materialität den Ort einer Geschichte, die sich auf Inklusion/Exklusion gründet und bis heute Aktualität besitzt. Die Stadt veranschaulicht und fokussiert Sozialität, ist Anziehungspunkt der Landlosen und zugleich Schreckensort als Ghetto, Mietskaserne, Kriminalitätsschwerpunkt und No-Go-Area, deren mediale Unsichtbarkeit sich durch exzessive Gewalt gegenüber den sichtbaren Zentren der Macht und des Konsums aufzuheben sucht.

Das Seminar will zum einen das soziologische Beschreibungsmodell von Inklusion und Exklusion auf seine Gültigkeit hin überprüfen. Zweitens fragt es, wie aus dem Modell historische Dynamik und der historische Blick auf die Stadt erwächst, welcher selbst wiederum eine Geschichte der Stadt hervorbringt. Es verbindet also Soziologie und Geschichte am Thema der Stadt und versteht sich damit als Beitrag zu einer Theorie der historischen Urbanistik.

Zur vorbereitenden Lektüre: Niklas Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, Frankfurt a.M. 1997 (Auszug anzufordern unter hempel@ztg.tu-berlin.de)

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