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SE Staatsarchitektur in Mitteleuropa im Wandel

 

SE: Staatsarchitektur in Mitteleuropa im Wandel

Jo Sollich

Modul 5: Ressourcen und Dynamik der Stadtentwicklung

Di 10-12 Uhr • ONLINE • Beginn: 21.04.2020

Staatsarchitekturen sind immer Spiegelbild einer gesellschaftspolitischen Verfassung, also einem Selbstverständnis, sei es unter monarchischen, diktatorischen, demokratischen oder neoliberalen Vorzeichen. Neben einzelnen Bauwerken kommt insbesondere dem städtebaulichen Maßstab hier eine wesentliche Bedeutung zu. Ordnen, Leiten, Lenken sind hier ebenso zentrale Begriffe, wie die Interpretations- und Deutungshoheit über die Geschichte. Zusätzlich zu großräumigen städtebaulichen Anlagen oder repräsentativen Großbauten der Vertreter des jeweiligen Systems sind es häufig aber auch Bauprogramme kleinerer Bauaufgaben, die unter staatlichem Duktus flächendeckend den Alltag prägen.

In dem Seminar werden verschiedene Ansätze und Auslöser untersucht, unter denen Staatsarchitekturen geplant und zum Teil auch umgesetzt wurden. Der Fokus liegt dabei auf Europa zwischen 1900 und der Gegenwart. Staatsneugründungen und Grenzverschiebungen haben besonders in der Zwischenkriegszeit offenbar Bedürfnisse nach einer Architektur und Stadtplanung jeweils besonderer nationaler Prägung hervorgerufen, was gut an Beispielen in Polen und in der damaligen Tschechoslowakei nachvollzogen werden kann. Die folgenden Jahrzehnte standen in Italien, Spanien, Portugal und Deutschland unter starkem Einfluss der jeweiligen Diktatoren. Die darauffolgende Nachkriegsära hinterließ in den Staatarchitekturen deutliche Symbolkraft des Wiederaufbaus, aber auch der Teilung Europas in Zeiten des Kalten Krieges. Nach zumindest politischer Aufhebung der Demarkationslinie zwischen Ost- und Westeuropa sind in den teilweise neu entstandenen, aber auch in den fortbestehenden Staaten städtebauliche Anlagen und Gebäude entworfen worden, die wiederum dem damals aktuellen Verständnis von nationaler Identität entsprechen sollten.

Wie wir heute feststellen können, ist dieser Prozess europaweit keinesfalls abgeschlossen. Gerade in Zeiten, in denen Teile der Bevölkerung anscheinend nach neuen nationalen Identitäten suchen, werden staatliche Gebäude mit nationaler Symbolkraft, die aus dem Geist einer anderen Epoche stammen, in ihrer Existenzberichtigung hinterfragt oder deren Umdeutung wird vehement gefordert. Der jüngste Streit um die Sanierung des Wiederaufbaus der Paulskirche in Frankfurt und die Forderung nach historisierendem Neuaufbau sei nur als eines der aktuellen Beispiele genannt.

Methodisch werden in dem Seminar an vielen Einzelbeispielen vorerst durch kritisches Quellenstudium die Rahmenbedingungen untersucht. Das „Lesen“ bzw. Nachvollziehen der räumlichen Auswirkungen der jeweiligen Planung soll geübt und der Planungsgedanke unter Würdigung des gesellschaftspolitischen Kontextes aus heutiger Sicht betrachtet werden.

Einführende Literatur (Auswahl):
Bodenschatz, Harald (Hg.): Städtebau für Mussolini. Auf der Suche nach der neuen Stadt im faschistischen Italien, Schriftenreihe des Architekturmuseums der technischen Universität Berlin 4, Berlin, Dom publishers, 2011; Bodenschatz, Harald und Welch Guerra, Max (Hg.): Städtebau unter Salazar. Diktatorische Modernisierung des portugiesischen Imperium 1926-1960, Berlin, Dom publishers, 2019; Durth, Werner; Düwel, Jörn; Gutschow, Niels: Architektur und Städtebau der DDR. /Band 1) Die frühen Jahre, Frankfurt (Main), /New York, Campus Verlag, 1999; Durth, Werner: Städtebau und Macht im nationalsozialistischen Staat. In: Harlander, Tilmann und Pyta, Wolfram (Hg.): NS Architektur: Macht und Symbolpolitik, Lit Verlag, Berlin, 2010; Raichle, Christoph: Symbolische Macht durch Architektur. Die Nähe und Frene in Hitlers Monumentalbauten. In: Harlander, Tilmann und Pyta, Wolfram (Hg.): NS Architektur: Macht und Symbolpolitik, Lit Verlag, Berlin, 2010; Sonne, Wolfgang: I: Introduction: The political Iconography oft he city, in: Representing the State. Capital City Planning in the Early Twentieth Century, Munich, Berlin, London, New York, Prestel, 2003, S. 29-49; Welzbacher, Christian: Die Staatsarchitektur der Weimarer Republik, Berlin, Lukas Verlag, 2006; Teige, Karel: Mundaneum 1928, in: Fabian, Jeanette und Winko, Ulrich: Architektur zwischen Kunst und Wissenschaft. Texte der tschechischen Architektur-Avantgarde 1918-1938, Berlin, Gebr. Mann Verlag, 2010, S. 239-254.

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