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TU Berlin

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SE Städtebauliche (Rekonstruktions-)Debatten seit 1945

SE Städtebauliche (Rekonstruktions-)Debatten seit 1945
Akteure, Argumente und Alternativen

Stefanie Brünenberg


Modul 5: Ressourcen und Dynamiken der Stadtentwicklung

Do 10-12 Uhr • ONLINE • Beginn: 02.11.2020

Als die deutschen Städte nach dem Zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche lagen, waren die Pläne für deren Wiederaufbau mannigfaltig: Die radikalen Neuplanungen für Mainz, Vorschläge der Translozierung in Dresden bis hin zu Überlegungen der reinen Rekonstruktion historischer Straßenzüge wie in Rothenburg o. d. Tauber zeigen das Spektrum der Konzepte auf. Wenige der radikalen Planungen wurden in den Nachkriegsjahren umgesetzt. Bis heute sind die Folgen der Kompromisse in der Stadtplanung des Wiederaufbaus in vielen Städten sichtbar. Wenig erstaunlich ist es daher, dass seit einigen Jahren immer wieder neue Debatten zur Neugestaltung der Innenstädte geführt werden: ausgestorbene Stadtzentren sollen wiederbelebt, unbeliebte in den 1960er Jahren entstandene Großstrukturen ersetzt werden. Diese Debatten werden von ganz unterschiedlichen Akteuren initiiert und geführt. Politische Agenden beeinflussen solche Stadtentwicklungspläne genauso wie Bürgerinitiativen oder denkmalpflegerische Gutachten.
Der Fokus dieses Seminars liegt auf den bekanntesten Orten der städtebaulichen (Rekonstruktions-)Debatten: Frankfurt, Dresden und Berlin. Diese Städte stehen aber nicht erst seit den letzten Jahren im Zentrum städtebaulicher Diskurse. Dass die „neue Altstadt“ zwischen Dom und Römer, der neobarocke „Neumarkt“ in Dresden und die Rekonstruktion des Berliner Schlosses als Humboldtforum entstanden sind, ist zurückzuführen auf Debatten, die seit 1945 geführt wurden und sich damit immer wieder gegenseitig beeinflusst haben. Der Blick auf vermeintlich ähnlich geführte internationale Diskussionen hebt dabei die Bedeutung des jeweiligen historischen und kulturellen Kontextes hervor, innerhalb dessen die unterschiedlichen Akteure sich positionieren. Abgesehen von der Betrachtung der jeweils agierenden Persönlichkeiten bzw. Initiativen und ihrer Argumente wollen wir auch einen Blick auf alternative Planungen werfen, die als Argumente von den Akteuren entwickelt wurden und manchmal – wie die digitale Simulation der Frankfurter Altstadt durch einen Bauingenieurstudenten aus Offenbach beweist – die Diskussionen lenken und das Ergebnis deutlich beeinflussen. Am Ende des Seminars wollen wir versuchen, anhand eines fiktiven Planspiels eine eigene Debatte zu entwickeln: Wie haben sich die Argumente in den letzten 65 Jahren entwickelt? Was können wir aus dieser Entwicklung in heutigen Auseinandersetzungen der Stadtentwicklung wiederfinden und wie können wir die Kenntnisse aus der Geschichte in den Argumenten verarbeiten? Grundlage für eine solche Diskussion ist die aktive Teilnahme aller Studierenden an den digital durchgeführten Sitzungen.

Literatur:

  • Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (Hg.): Identität durch Rekonstruktion? Positionen zum Wiederaufbau verlorener Bauten und Räume. Dokumentation der Baukulturwerkstatt vom 16.Oktober 2008 im Bärensaal des Alten Stadthauses in Berlin. 2009.
  • Durth, Werner/Gutschow, Niels: Träume in Trümmern. Stadtplanung 1940 – 1950. München 1993.
  • Falser, Michael S.: Zwischen Identität und Authentizität. Zur politischen Geschichte der Denkmalpflege in Deutschland. Dresden 2008.
  • Nerdinger, Winfried: Geschichte der Rekonstruktion - Konstruktion der Geschichte. München 2010.

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